Die Teilnehmer des 6 Braunschweiger-Bezirksseminares

Zum 6. Mal fand das Ju-Jutsu-Bezirksseminar mit einer besonders familiären Atmosphäre vom 17. bis 19. August 2018 in St. Andreasberg statt. Am frühen Freitagabend bewunderten die ersten Besucher die 210 qm große Mattenfläche, die vier fleißige Helfer zuvor aufbauten. Nach kurzem Plausch mit dem Vorsitzenden des Bezirksfachverbandes Braunschweig, Karl Teusch und einem reichhaltigen Abendessen ging es für alle Beteiligten auf die Matte. Neben den etwa 30 Übernachtungsgästen, auch aus anderen Bundesländern, konnte der Ehrengast Dr. Gerhard Hoffmann aus Braunlage begrüßt werden. Er ist ein Ju Jutsu – Urgestein und schaute sich mit Begeisterung an, was in St. Andreasberg aktuell veranstaltet wird.

Wer es bis dahin noch nicht bemerkte, stellte spätestens beim Angrüßen zum „warm up“ fest, dass das diesjährige Seminar auch die ganz kleinen Besucher anlockte. Bei jeweils einem Elternteil auf dem Arm fanden sich ein kleines Mädchen und ein kleiner Junge im Alter von 6 und 11,5 Monaten auf der Mattenfläche ein. Das Angrüßen wurde mit Schnuller im Mund entspannt mitgemacht. Das Seminar, das auf einer Idee von Hans Radke, dem Präsidenten des NJJV Niedersächsischen Ju Jutsu-Verbandes basiert, zeichnet sich damit für seine besonders familienfreundliche Orientierung aus.

Beim „warm up“ unter Leitung von Karl Teusch wurde ein Armriegel mit Einwirken auf die Schulter trainiert, der einen idealen Wurfeingang zu verschiedenen Würfen ermöglichte. Christian und Sophie vom Verein Yawara Neuhaus bekamen an dieser Stelle die Gelegenheit, ihre ganz eigene Version eines Beinrollwurfes für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorzuführen. Wer nach Abschluss der ersten Einheit dieses Seminars noch nicht genug hatte, der konnte bei Uwe Nettlau ab ca. 21 Uhr das DJJV-Sportabzeichen absolvieren. Die Entscheidung hierfür fiel besonders schwer, denn die Alternative war ein kühles Eis, spendiert von Ehrengast Dr. Gerhard Hoffmann. Dennoch: Immerhin drei junge Frauen demonstrierten, dass das Sportabzeichen vom Gelbgurt bis zum Dan-Träger großen Spaß bringen kann.
Nach Abschluss der Prüfung konnten sich die drei Musketiere noch dem geselligen Beisammensein widmen.

Nach dem Frühstück am Samstagmorgen, bei dem es sogar glutenfreie Brötchen gab, ging es direkt mit über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf der Matte weiter. Die Ju-Jutsuka hatten zunächst die Wahl zwischen dem Landesjugendlehrgang „Ju Jutsu durch Kinderaugen sehen“ beim Vizepräsidenten Jugend des NJJV, Niklas Martin und einem Landeslehrgang „Technik“ bei Frauke Schlichting und Andreas Woyth.

Niklas hat sich nach einem spielerischen Aufwärmtraining, bei dem sowohl die fortbildungswilligen Trainer als auch mitgereiste Kinder auf Ihre Kosten kamen, langsam in der Komplexität der Inhalte gesteigert. Auf dem Programm standen zum Teil sehr anspruchsvollen Techniken. Ohne nachzudenken, gab es ein buntes Programm aus Würfen und Hebeln zu üben, jedoch immer mit dem Augenmerk, den Trainern die Nuancen zwischen erwachsenem, kinder und jugendspezifischem Training zu demonstrieren. Als Resümee führte der Referent an, dass ein Trainer nur dann alle Inhalte verkörpern kann, wenn er sich auch mit diesen Rollen voll identifiziert.

Bei Frauke und Andreas ging es um ein ganz anderes Thema: Unter dem Motto „Ju Jutsu meets Selbstverteidigung“ wurde im Rahmen der Selbstverteidigung am Boden geschubst, gefallen und getreten was das Zeug hält. Nach einer Vorbereitungsübung zur Körperspannung mit dem wunderschönen Namen der „gefrorene Hund“ ging es mit einer Art von Schaumstoffschwertern darum, sich in geeigneter Form am Boden vor Schlägen und Tritten zu schützen. Kleine Kurzfilme verdeutlichten, wie es in der Realität in einem Bodenkampf zugehen kann. Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Stress-Drill. Der in der Bodenlage befindliche Angreifer musste sich bestmöglich gegen vielfache Schläge und Tritte schützen, um dann noch in geeigneter Form aufstehen zu können.

Nach der Mittagspause, in der die sehr energischen Besucher noch den kostenfreien Hangelpfad nebenan auskosteten, begrüßten Karl Teusch und Hans Radke neben über 66 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Referenten Stefan Matthießen und André Moczko.
Der Präsident des NJJV, Hans Radke nutzte diese Gelegenheit der großen Runde und zeichnete den Direktor Prüfungswesen, Uwe Nettlau für seine besonderen Leistungen im Ju-Jutsu-Verband mit dem 6. Dan aus. Seine Auszeichnung nahm Uwe unter tosendem Beifall freudig und dankbar entgegen.

Bei Stefan Matthießen wurde „Stockabwehr mit Entwaffnungstechniken (mit/ohne Stock) gegen unterschiedliche Angriffswinkel“ geübt. Er startete das Training mit spielerischen Koordinationsübungen. „Bei einem Stockangriff geht es darum, nicht vom Stock getroffen zu werden, die Distanz zu überwinden und den Angriffsarm zu kontrollieren“, so der Referent. Folgeangriffe sollen vermieden werden. Bei der Entwaffnung zeigte Stefan verschiedene Möglichkeiten, z. B. eine Crossada über den eigenen Arm oder einfache Entwaffnung durch den Schlag mit dem Ellenbogen gegen die waffenführende Hand. Zum Schluss wurde noch eine Weiterführungstechnik bei einer misslungenen Entwaffnung, bei der der Angreifer komplett kontrolliert und zu Boden gebracht werden konnte, trainiert. Die Sportlerinnen und Sportler lernten damit sehr schöne Entwaffnungstechniken, die sich durch besonders flüssige Abläufe auszeichneten. Dank des guten Wetters konnte der Stocklehrgang mit Blick in den Harz auf dem Sportplatz in vollen Zügen genossen werden.

Unter dem Motto „Selbstverteidigung in Anlehnung an das Atemi Combat System – schnelle Verteidigung und Beeinflussung über Psyche und Vitalpunkte“ lernten die Übenden bei André schnell, was es bedeutet, mit der Aufmerksamkeit zu spielen. Wie bringe ich den Gegner aus dem Konzept? Frauen lernten den effektiven Einsatz ihrer Fingernägel. Bei Nervendrucktechniken und Folgetechniken hieß es: „Man kann nicht immer alle Techniken realistisch einsetzen – ihr müsst Euch immer fragen, ob das noch Notwehr ist“. Und wer wissen will, was Selbstverteidigung mit Lego zu tun hat, sollte unbedingt einen von Andrés nächsten Lehrgängen besuchen.

Der sich anschließende Abend klang beim gemeinsamen Grillen, bei dem viel über die Interessen, Hobbies und Engagements der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gelernt wurde, langsam aus.

Am Sonntag hatten die insgesamt ca. 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, von denen etwa 8 BJJ-ler waren, die Qual der Wahl. Mourad Benabdallah, der bereits das fünfte Mal in St. Andreasberg dabei war, zeigte einige seiner Spezialtechniken. Die Ju-Jutsuka wurden mit Fachbegriffen wie „Classico“ (Fachbegriff für Kreuzposition) oder „Amerikaner“ (Armbeugehebel bei gegnerischer Rückenlage) konfrontiert. In Abhängigkeit von der Kraft des Gegners sollte der Verteidiger über die Anwendung seiner Techniken entscheiden und somit die entgegengebrachte Kraft sinnvoll nutzen. Die Kraft einer sehr jungen Dame spielte eine besondere Rolle: die jüngste Teilnehmerin im Alter von 6 Monaten kämpfte fleißig mit einem ihr überreichten Gürtel. Wer diesen Kampf wohl gewonnen haben mag?

23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wählten am Sonntagmorgen den Bezirkslehrgang mit Ralf Frickemeier, der bereits über 45 Jahre Kampfsporterfahrung verfügt. Für ihn war es eine Premiere als Referent in St. Andreasberg. Das Thema „Dreierkontakt und Anwendung – Push Hands und ChiSao“ wurde gut gefüllt mit einem Wing Tsun-ähnlichen Grundlagentraining. Für viele war die Lockerheit, die Ralf an den Tag legte, eine echte Herausforderung. Das Training zeichnete sich durch besonders fließende Bewegungen, die sich am Fluss des Wassers orientierten, aus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich sehr engagiert im Umgang mit den Energieflüssen. Der kleinste Teilnehmer im Alter von 11,5 Monaten brachte sich mit lautstarken Kommentierungen aktiv ein.

Das nächste Bezirksseminar in St. Andreasberg für 2019 ist bereits in der Planungsphase und wird wieder an einem Augustwochenende stattfinden. Wer einen Platz ergattern möchte, dem wird geraten, sich unbedingt anzumelden. In diesem Jahr konnte mit dem unvorhergesehen großen Andrang dank des prima Wetters sehr gut umgegangen werden. Dieser Lehrgang war ein Paradebeispiel dafür, dass sich Familie und Ju-Jutsu bestens unter einem Dach vereinen lassen.
(Text: Nadja Jenny Kayser, MTV Vorsfelde)

 

Medienteam NJJV

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